Morphologische Betrachtungsweise Beispiel Essay

Was ist ein Neologismus? Der Ausdruck besteht aus zwei Teilen; dem alt- sowie neugriechischen Wort νέος neos „ neu “ und λόγος logos „ Wort “. Wenn man diesen Fachbegriff germanisiert, kommt man der eigentlichen Bedeutung des Wortes sehr nahe. Von einem „ Neuwort “ bzw. einem „ neuen Wort “ ist die Rede. Schlichtweg handelt es sich um ein lexikalisches Zeichen, das zu einer bestimmten Zeit von der ansässigen Bevölkerung als „ neu “ empfunden wurde oder bereits vorhanden war, aber eine neue Bedeutung erhalten hat.[1]

Somit kann man feststellen, dass die Mitglieder der Gruppe der Wörter, die man als Neologismen bezeichnet, ständig varieren. Abhängig von Zeit und Raum werden neue Wörter als Wortneuschöpfungen bezeichnet, während sich andere Wörter bereits etabliert haben und ihren Weg in das Wörterbuch finden, wodurch sie in einem sich erweiternden Wortschatz aufgenommen werden. Somit steht jeder Text, der sich mit Neologismen beschäftigt, in der potentiellen Gefahr beim Publikationsdatum schon nicht mehr aktuell zu sein. Das rührt daher,dass viele dieser Neubildungen sehr kurzlebig sind und nur kurze Zeit in nennenswertem Gebrauch, was vor allem beim jugendlichen Anteil der Bevölkerung zu beobachten ist.

Dank Hermann Paul (1880/1909) und Willhelm Wilmanns (1899,1), wird seit dem späten 19. Jahrhundert der Ausdruck Neologismus zunehmend differenziert. So unterscheidet man mittlerweile zwischen Neuschöpfung (auch: Wortneuschöpfung, Urschöpfung, Wortneubildung oder Wortschöpfung) und Wortbildung.
Bei der Neuschöpfung handelt es sich um ein komplett neugebildetes Wort, das im Gegensatz zur Wortbildung nicht aus bereits bekannten Morphemen hergeleitet ist und in der Sprache (noch) nicht als bedeutungstragende Elemente enthalten sind, sondern lautlich neu entwickelt wurde. Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Spracheinheiten eines Wortes, so lässt sich beispielsweise das Wort „ Stühle “, aus zwei Morphemen aufbauen: { stühl}{-e }, dabei ist { stühl } bzw. { stuhl } der Wortkern mit der Bedeutung „ Möbel mit Sitzfläche und Beinen “ und { -e } ist die Endung mit der Funktion „Mehrzahl“. Bei diesem Beispiel kommt das Morphem, das den Wortkern ausmacht, in zwei verschiedenen Formen vor, den sogenannten Morphen (Vgl.: Stuhl/Stühl).

Neuschöpfungen, die keinen Bezug zu bereits bekannten Morphemen haben, sind in unserer Zeit relativ unbedeutend und nehmen nur eine kleine Rolle ein, im Gegensatz zu den Wortbildungen. Heutzutage werden neue Sprachweisen generell nicht auf diese Art erschaffen(PAUL 1880/1909, 174). Man vermutet jedoch, dass diese Methode der Wortbildung zu Zeiten der frühen Sprachentwicklung von großer Bedeutung war.

Man kann diese Theorie eventuell nachvollziehen, wenn man sich die Häufigkeit von Onomatopoesie in den verschiedensten Sprachen betrachtet. Als Onomatopoesie versteht man die sprachliche Nachahmung von außersprachlichen Schallereignissen bzw. Tonmalerei oder Lautnachahmung.[2] Das Wort setzt sich zusammen aus dem alt-, sowie neugriechischen Wort für „Name“(ὄνομα/ ónoma) und „Erschaffung“ (ποίησις/ poiesis). Beispiele hierfür sind etwa „knallen“, „klirren“, „bellen “ oder „ rauschen “, aber auch die Laute der Tiernamen sind häufig davon beeinflusst, je nachdem welche Geräusche diese Tiere erzeugen. Bei der Onomatopoesie handelt es sich um eine wirksame Vorgehensweise, um leicht einprägsame Neuwortschöpfungen zu erzeugen. Der kreative Charakter dieser Methode zeigt sich auch darin, dass sie häufig von Kindern benutzt wird, um Sachverhalte auszudrücken, für die sie (noch) keine Begriffe kennen oder erlernt haben.

Befassen wir uns jedoch mit dem heutzutage gebräuchlicheren Vorgang; der Wortbildung. Sie kreiert, wie bereits erwähnt, Wörter auf der Basis und mit der Hilfe von Kommunikationsmaterial , wobei auch spezielle Bildungselemente benutzt werden, welche in einem Satz normalerweise nicht einzeln ohne Verbindung zu anderen Wörtern verwendet werden. Als Beispiel könnte man Wörter nennen wie: witter-bar, aus-fragen.

Ähnlich dem Begriff des Neologismus, lässt sich auch die Wortbildung weiter ausdifferenzieren in drei Unterarten, das Semantische Verfahren, das Syntaktische Verfahren und das Morphologisch-strukturelle Verfahren.

Beim Semantischen Verfahren ändert sich der Klang oder das Aussehen des Wortes gar nicht, sondern lediglich die Bedeutung des Wortes ist eine Andere wie zuvor. Ein Beispiel hierfür wäre die Küchenmaschine. So fand sich im Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache noch die Bedeutung „ hoher Küchenherd mit zwei übereinanderliegenden Röhren “, während im neueren Handwörterbuch der deutschen Gegenwartssprache „ elektrisches Gerät mit der Funktion verschiedener Küchengeräte“ als Bedeutung des Wortes aufgeführt wird.[3]

Im Unterschied dazu verändert sich der Wortstamm im syntaktischen Verfahren und lässt somit ein neues Wort entstehen bzw. bewirkt eine Veränderung der Begriffsklasse. Dies hat den Hintergrund, dass dem syntaktischen Verfahren vor allem Änderungen der Wortart zugrunde liegen. Soll bedeuten, dass im Laufe der Zeit zum Beispiel aus einem Verb ein Adjektiv wird, aus einem Adjektiv ein Substantiv oder aus einem Substantiv ein Verb, wie es auch bei dem 2. Platz des Jugendworts 2015 der Fall ist: „ merkeln “. Mit diesem neuartigen Verb wird das Nichtstun oder das Treffen keiner Entscheidung umschrieben. Es ist angelehnt an das Verhalten der aktuellen Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, das von vielen Bürgern als zögerlich und unentschlossen empfunden wird.

Beim morphologisch-strukturellen Verfahren wird jedoch intensiv in die Wortstruktur eingegriffen, indem das Wort gekürzt, erweitert oder auf sonstige Art und Weise verändert wird.

Allgemein kann man das Sprachsystem als eine Hierarchie betrachten, in der es auf den verschiedensten Ebenen Abhängigkeiten gibt. Dasselbe gilt auch für Bildung neuer Wörter.

Dominante Wörter oder Wortteile werden häufiger benutzt, was sozusagen die Selbsterhaltung dieser Wörter an der Spitze fördert, während neu eingeführte Wörter erst etabliert werden müssen, bevor sie überhaupt eine Konkurrenz darstellen.

Dies ist an komplexe gesellschaftliche Prozesse gebunden. So ist einerseits eine Vergrößerung der Menge an Affixen (Vor- oder Nachsilben, die an den Wortstamm angehängt werden[4] ), z. B. „ent-“, „-bar“ bemerkbar, andererseits jedoch auch ein Aussterben von veralteten Affixen. Dies kann beispielsweise geschehen, wenn Affix und Wortbildungsbasis miteinander verschmelzen, wie es bei Gebärde aus dem mittelhochdeutschen gebären, was so viel bedeutet wie „ sich benehmen, verfahren “, der Fall ist. Komplett ausgelöscht ist der Konstruktionstypus von Wörtern wie Zaum zu ziehen, bei denen die Verwandtschaft der beiden Wörter nur schwer erkennbar ist. Eine nähere Beobachtung der zeitlichen Markierungen bei 8500 Stichwörtern im Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache zeigte auf, „ dass die Anteile von Neuaufgekommenem und Zurückweichendem im Wortschatz der Gegenwartssprache sich etwa die Waage halten “ (HERBERG 1976, 2). Bei diesem Sachverhalt darf man das für die Allgemeinsprache typische Teilsystem, das mit Elementen fremdsprachigen Ursprungs auf der Grundlage der Wortbildungsstrukturen des Deutschen operiert, nicht vergessen.[5]

Neuaufgekommenes kann die Appellativierung von Eigennamen sein (Sie werden dadurch zu eigenständigen Gruppenbezeichnungen (Diesel, Röntgen), von größerer Bedeutung sind jedoch Wörter die aus Fremdsprachen entlehnt wurden (Chip, Shop, Pop, Beat, Bonsai, Pizza, Sauna, vgl. FLEISCHER 1988, 288). Mit zunehmender Globalisierung und Vernetzung der modernen Welt, gewinnen auch fremdsprachige Einflüsse dauernd an Relevanz, vor allem in der gesprochenen Sprache. Auch die anglo-amerikanische Dominanz spiegelt sich in der heutigen deutschen Sprache wieder. So sind bei näherer Betrachtung vier von sieben der eben genannten „Neueinführungen“ des deutschen Wortschatzes englischen Ursprungs, sogenannte Anglizismen.

Auf einer lexikalischen Ebene sind die Veränderungen des Deutschen, die in jüngster Zeit festgestellt worden sind, schnell entstanden, können jedoch genauso schnell wieder verschwinden oder ersetzt werden, weil sie irrelevant geworden sind. power walking oder superfood sind das Ergebnis kurzlebiger Werbekampagnen und Modetrends.[6]

Neue Bedeutungen, die zum semantischen Verfahren der Wortbildung gezählt werden, wurden ebenfalls vielfach aus dem Englischen adoptiert, sind aber häufig nur schwer zu enttarnen. Beispiele hierbei wären; hatten Sie Spaß?; es macht keinen Sinn.

Anglizismen werden auch unter dem Begriff Denglish zusammengefasst. Heutzutage hört man überall Englisch, sei es in der Werbung, in der Wirtschaft oder im Elektronikfachhandel. Somit sind die Denglish-Wörter in den verschiedensten Nischen der Bevölkerung bekannt und finden Benutzung, um das In-Sein oder das Prestige des Sprechers zu erhöhen.

[...]



[1] 1 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Neologismus Abrufdatum: 11.10.2017

[2] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Onomatopoesie Abrufdatum: 10.10.2017

[3] Vgl. BARZ, IRMHILD/ FLEISCHER, WOLFGANG (1995), Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. Leipzig.S.6

[4] 4 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Affix_(Linguistik) Abrufdatum: 27.07.2017

[5] Vgl. BARZ, IRMHILD/ FLEISCHER, WOLFGANG (1995), Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. Leipzig.S.288

[6] Vgl. HINRICHS, UWE (2013), Multi Kulti Deutsch; Wie Migration die deutsche Sprache verändert. München, C.H.Beck oHG. S.226

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Die Aufgabe der Morphologie

2. Phoneme, Morpheme, Morphemanalyse

3. Allomorphe und Homonyme

4. Morphologische Prozesse
4.1. Die lexikale Morphologie
4.2. Die flexionale Morphologie

5. Resümee

Verwendete Literatur

1. Einleitung: Die Aufgabe der Morphologie

Spricht man im Rahmen der Linguistik von der Morphologie, verwendet man damit einen Begriff, der erst im 19. Jahrhundert geprägt wurde. Jener Terminus der „Formenlehre“ (altgr. morjh =Form/Gestalt; logox =Lehre) fand zunächst in Biologie und Mathematik Verwendung, bevor er für die Beschreibung und Untersuchung von Gestalt und Flexion der Wörter in die Linguistik übernommen wurde.

Doch warum entwickelte sich ein Wissenschaftsbereich, der sich mit dem Verhalten der Wörter beschäftigt? Nehmen wir das Verb gostar als Beispiel: Definiert man das Wort (palavra) als kleinste Einheit im Satz, die einen realen oder abstrakten Begriff versprachlicht, scheint dies ohne Zweifel auch auf unser Beispiel zuzutreffen. Verändert sich unser Infinitiv aber hin zu einer personalisierten Form, beispielsweise zu gostas, stehen wir vor folgendem Problem: ist durch die Veränderung der Personalendung nun ein neues Wort geschaffen worden, oder ist es das Selbe geblieben?

Das Wort embora, beispielsweise, kann im Portugiesischen sowohl einen Gegensatz im Sinne des deutschen „obwohl“ ausdrücken, im anderen Falle aber auch die Bedeutung „weg“ annehmen (Bsp.: eu vou embora = ich gehe weg). Hier wird dieselbe sprachliche Einheit für zwei verschiedene abstrakte Begriffe verwendet; Liegen demnach also auch zwei verschiedene Wörter vor? Hier zeigt sich die Unzulänglichkeit der oben genannten Definition. Es muss also einen anderen Ansatz geben, Wörter zu untersuchen und zu bestimmen.

Eben diesen Ansatz verfolgt die Morphologie. Im Folgenden werden die Theorien und Aufgabenbereiche Ebendieser erläutert.

2. Phoneme, Morpheme, Morphemanalyse

Einen Lösungsansatz zum „Wortproblem“ lieferte Martinet mit seiner Theorie der zweifachen Gliederung (dupla articulação) der Sprache: Zum einen besteht jede Sprache aus einem Inventar von Phonemen, deren Quantität zwischen 25 und 50 variiert. Sie sind die kleinsten sprachlichen Einheiten, und können daher nicht weiter zerteilt werden (Bsp. /r/, /m/, /a/, /o/). Aus der Kombination von Phonemen entstehen wiederum Morpheme (Martinet: Moneme[1] ), die kleinsten sprachlichen Einheiten mit eigener Bedeutung[2]. Auch sie können nicht weiter zerteilt werden, jedenfalls nicht ohne Bedeutungsverlust.

Beispiel: Aus den oben angeführten Phonemen lassen sich die Morpheme / amor und /Roma/ zusammensetzen, des Weiteren /mor-/ und /or-/ als Stämme von den Verben morar und orar.

Da diese beiden Verben in Stamm und Endung zerlegbar sind, können sie demnach keine Morpheme sein. Untersuchen wir das Wort morar genauer: wie bereits erwähnt, setzt es sich aus dem unveränderlichen Stamm mor- und der Infinitivendung –ar zusammen . Ersteres stellt im morphologischen Zusammenhang das lexikalische Morphem dar (bei Martinet: Lexem), da es „Sachverhalte oder Gegenstände der Realität“[3], anzeigt und im Lexikon aufgeführt sein kann. Es ist Bedeutungsträger und kann unabhängig im Satz stehen, ist also „wortfähig“[4]. Letzteres wird „grammatikalisches Morphem“ (Martinet: Morphem) genannt; Es ist dabei stets von einem Morphem abhängig, oder anders gesagt, nicht wortfähig. So kommt beispielsweise der Infinitivendung –ar isoliert keine Bedeutung im Satz zu. Erst in Verbindung mit einem passenden Verbum kann sie ihre Funktion erfüllen. Dabei wird zwischen Flexionsmorphemen, welche die grammatischen und syntaktischen Beziehungen zwischen den Morphemen anzeigen, und wortbildenden Morphemen (-ante, --oso) unterschieden. Auf diese Unterscheidung werde ich Kapitel 4 näher eingehen.

Demnach werden Wörter also aus mehreren Morphemen zusammengesetzt. Um ihre Bestandteile untersuchen zu können, werden sie mit Hilfe der Corpusanalyse segmentiert.

Beispiel: pescadores tem barcos

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit Hilfe von Corpusanalysen kann der Aufbau unbekannter Sprachen erforscht werden, indem aus mehreren Morphemen zusammengesetzte Wörter in ihre Bestandteile aufgelöst und ihrer grammatikalischen Funktion zugeordnet werden. Dies soll an folgendem Beispiel aus der Maya-Sprache Kekchi (Guatemala) verdeutlicht werden[5]:

[...]



[1] Pelz, S.103

[2] Fiorin, S.63

[3] Pelz, S.102

[4] Bünting, S.99

[5] Pelz, S.105

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